Chronik aus dem Jahre 2001
Aus alten Überlieferungen kann man entnehmen, dass die Psalmen der Bibel gesungen wurden. Mit den Jahren bildeten sich verschiedene Formen von Musikgemeinschaften über Singkreise bis hin zu Chören. Ähnlich wird die Entwicklung auch in der evangelischen Kirchengemeinde Kyritz stattgefunden haben. Es gab schon immer musikalische Ereignisse und Zusammenkünfte im Gemeindeleben. Etwa ab 1903 war Studienrat Ernst Fahrenberg Kantor und Organist in Kyritz und wird wahrscheinlich auch einen Singkreis geleitet haben. Allerdings kann man aus dieser Zeit keine endgültige Aussage über die Existenz eines Chores machen. Von Aufzeichnungen aus Archiven und Erinnerungen der noch lebenden Chormitglieder der alten Generation kann man mit Gewissheit sagen, dass 1921 durch Herrn Wilhelm Maeß, mit Beginn seiner Tätigkeit in Kyritz, ein Chor gegründet wurde. Herr Maeß war seinerzeit Musiklehrer der Goetheschule und Organist in der St. Marienkirche. Auf Grund seiner sehr vielseitigen Aktivitäten wurde ihm am 31. Januar 1938 der Ehrentitel des Kantors verliehen. Der Chor bestand aus ca. 50 Sängerinnen und Sängern. Schon damals probte man mittwochs. Aufgeführt wurden kleine Kantatenstücke von Bach, Dittberner, Beethoven und anderen Komponisten. Nicht selten unterstützte ein Orchester den Chor und die Gesangssolisten kamen aus eigenen Reihen. Herr Maeß führte den "Grote" (das "Geistliche Chorlied") im Kyritzer Kirchenchor ein.
Nach dem Krieg hatte man auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So verringerte sich die Sängerzahl auf etwa 30 und der Probenraum wurde als Flüchtlingsquartier genutzt. Dennoch konnte man diese Zeit bei Frau Rohr zu Hause überbrücken. Einer der Höhepunkte waren die "Große Doxologie" und der Schlusschor aus der "Matthäuspassion" von J.S. Bach. Ehemalige Sängerinnen und Sänger berichten noch immer mit Begeisterung von der familiären Atmosphäre, die den Chor kennzeichnete. An eine Begebenheit erinnern sich alle: Unter den Sängerinnen gab es eine, die meist zu spät kam. Einmal hatte das Folgen, denn als sie auf kürzestem Weg zum Chor gelangen wollte, bot sich der direkte über die Pedaltasten der Orgel an. Allerdings ahnte sie nicht, dass diese schon angestellt war und plötzlich in vollen Tönen erklang, was ein herzliches Lachen nach sich zog und den Kantor verärgerte. Auch das gab es damals. Zum Gemeinschaftsleben gehörten nicht nur die Musik, sondern auch Feste und Ausflüge. Während der Chorfahrten wurde immer ein Konzert in einer Gastkirche gegeben, Besichtigungen durchgeführt und anschließend war man gemütlich beisammen. Im Oktober 1957 endete die Chorleitertätigkeit von Herrn Maeß und hinterließ ein anspruchsvolles Erbe.
Mit Frl. Kahle (später Frau Schultz) konnte 1958 eine Weiterführung des Chores ermöglicht werden. Die begonnene Arbeit mit dem "Grote" wurde fortgesetzt und erweitert. Die Motette "Lob Gott getrost mit Singen" blieb Lieblingsstück des Chores. Während ihrer Amtszeit wurde an den Feiertagen, Gottesdiensten und zu runden Geburtstagen gesungen. Ein musikalischer Höhepunkt war z.B. Diestlers "Lobe den Herren".
80 Jahre ist es her und keiner kann sich daran erinnern, wie es genau mit der Kyritzer Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde angefangen hat. So wären die damaligen Sänger doch schon um die 100 Jahre alt. Während dieser Zeit wirkten verschiedene Kantoren und veränderten somit auch die Struktur des Chores. Die gesellschaftlichen Ereignisse wie der II. Weltkrieg, der Neubeginn nach 1945, die politische Stellung der Kirche in der DDR, sowie die Wiedervereinigung Deutschlands, gestalteten das Chorleben mit. In einer Zeit der Veränderung hat Kantor Michael Schulze am 01.09.1990 im Kirchenkreis und ab 01.12.1990 in der evangelischen Kirchengemeinde Kyritz seine Tätigkeit aufgenommen. Mit seinen Ideen gestaltet er die "Kyritzer Kirchenmusiken", die in diesem Jahr zum 10. Mal stattfinden. Als bisher jüngster Kantor des Chores begann er mit ca. 6 Sängerinnen und 2 Sängern. Am Anfang seiner Tätigkeit konnte zumindest dreistimmig gesungen werden. In den Gottesdiensten zu Ostern, der Konfirmation, der Goldenen Konfirmation, zum Erntedanktag und zu Weihnachten wurden hauptsächlich Motetten alter Meister, Chorsätze von Dieter Golombek, Manfred Schlenker und bekanntes Liedgut aufgeführt. Mit der Zeit kamen weitere Sangesfreudige dazu und die Programme wurden immer vielseitiger. Mit mehrstimmigen Sätzen von Heinrich Schütz, Helmut Walchas Kantate "Lobe den Herren", einer Motette von Eduard Grell sowie der "Weihnachtsmotette" von Friedrich Silcher, bis hin zu den Chorälen aus J. S. Bachs Matthäus-Passion und dem Weihnachtsoratorium, gelang es dem Chor an musikalischem Anspruch zu wachsen.
Eine besondere Aufführung fand am 25. Mai 1992 statt, anlässlich der Eröffnung der "Kyritzer Festtage". Es erklang u.a. von Andreas Hammerschmidt die Kantate "Singet dem Herrn, ihr Völker all" für 5-stimmigen gemischten Chor, Orgel und 2 Trompeten. Zu weiteren Anlässen, so unter anderem der traditionellen "Adventsmusik bei Kerzenschein" wurden von Kantor Schulze eigene Bearbeitungen für Chor und Bläser bzw. Chor und Orgel aufgeführt. In den fast 11 Jahren seiner Chorleitertätigkeit konnte der Chor sein Repertoire vielfältig erweitern. Der bisherige Höhepunkt der gemeinsamen Arbeit war die Aufführung der "Missa Brevis" von Robert Führer in lateinischer Sprache für 4-stimmigen gemischten Chor und Streicher, sowie die "Große Doxologie" für 4-stimmigen Männerchor von Bortnjanski. Diese Werke wurden sowohl in Kyritz als auch in der Partnergemeinde Isselburg aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der dortigen Chorgemeinschaft aufgeführt. Zum Choralltag gehören auch Grillabende, eine Adventsfeier und gesellige Geburtstagsrunden nach der Probe. Eine weitere Tradition ist die Mitwirkung am Chor- und Bläsertag des Kirchenkreises Kyritz-Wusterhausen, an dem ca. 150 Sängerinnen und Sänger sowie Bläser des evangelischen Kirchenkreises gemeinsam musizieren.